Frage 5
geschrieben von Frau Pfeffer on Juni 3, 2008
Ist es wirklich gut IMMER die Wahrheit zu sagen? Ohne Rücksicht darauf was eben diese bei anderen Menschen anrichten kann? Hauptsache man kann seine Hände in Unschuld waschen und von sich behaupten nicht gelogen zu haben? Ich bin durchaus eine Verfechterin der Wahrheit und wer mich kennt, weiß, dass ich sage, was ich denke. Manchmal schonungslos und brutal offen. Und ich habe mich damit schon des Öfteren in die Nesseln gesetzt. Bin aber der (selbstgerechten?) Meinung, immer nur soviel Wahrheit auszuteilen, wie ich weiß, dass der Andere sie verkraftet. Ich würde niemals jemanden, der schon am Boden liegt, treten. Jedenfalls nicht absichtlich und unter dem Vorwand der Wahrheitssache. Gleichzeitig erwarte ich auch von meinem Gegenüber die Wahrheit. Auch wenn ich anfangs beleidigt erscheine, bin ich doch der Meinung, dass man nur von Kritik lernen kann. Aber darauf will ich gar nicht hinaus.
Ich finde es gibt durchaus Momente in denen man mit der Wahrheit Schlimmeres anstellen kann, als mit Schweigen oder einer Notlüge. Und der Ansicht, wenn man sich dessen niemals bewusst ist, einfach nur egoistisch agiert damit man seine Hände in Unschuld waschen kann. Egal was mit dem Anderen ist. So nach dem Motto: “Was will er denn? Ich bin reinen Gewissens. Schließlich habe ich doch nur die Wahrheit gesagt?” Gewagte These, ich weiß. Und trotzdem sind Menschen, die bewusst so handeln für mich die grösseren Feiglinge. Weil sie nur auf ihr Seelenheil aus sind. “Sollen doch die anderen schauen, wie sie mit meiner Wahrheit zurecht kommen. Ich blieb immer bei der Wahrheit. Und das ist das Einzige was zählt. Mir kann keiner was vorwerfen. .”
Bestes Beispiel für meine Behauptung ist folgendes: Partnerschaft alles happy, einer der Beiden trinkt zuviel (oder auch nicht, der Alk tut nichts zur Sache), lässt sich hinreissen und schwupp landet mit einer anderen Person im Bett. Ist am nächsten Tag selber völlig entsetzt, ja verzweifelt von seinem Handeln und würde alles geben um diesen Onenightstand rückgängig zu machen. Liebt seinen Partner abgöttisch, will von der anderen Person nichts wissen, hat keinerlei Kontakt zu dieser, weiß vielleicht nicht mal den Namen. Bereut aus tiefstem Herzen und schleppt nun ein schweres Gewissen mit sich rum, was ihn zu erdrücken scheint. Jedesmal wenn er seinem Partner in die Augen schaut, schreit es in ihm auf: “Ich muss es ihm sagen, ich halte das nicht mehr aus”.
Und hier sage ich: Schweigen ist besser als die Wahrheit. Was würde denn passieren, wenn er seinem Partner die Wahrheit sagen würde? ER hätte sich seines schlechten Gewissens entledigt (natürlich würde ihn das noch plagen, aber der Druck wäre nicht mehr so riesig). IHM würde es in dem Moment besser gehen, denn er hat nun endlich die Wahrheit rausgelassen. Und sein Partner, der Unschuldige, für den bis vor 5 Minuten noch die Welt in Ordnung war? Der kann sich zwar rühmen, von seinem Partner die Wahrheit erfahren zu haben, steht allerdings nun vor Trümmern. Bis gerade eben war alles perfekt und jetzt das? Und nun soll mir einer sagen: Jawoll, es war trotzdem richtig, dass dieser die Wahrheit erfuhr. Für wen war es denn richtig? Wer fühlt sich denn hinterher besser? Der Verursacher oder der Unschuldige? Wahrheit um jeden Preis?
Was wäre denn passiert, wenn er nichts gesagt hätte? Wahrscheinlich nichts. Nur sein Gewissen hätte ihn weiter schrecklich geplagt. Aber dafür hatte er auch für eine Nacht seinen Spass.
Das war jetzt dieses klassische Ego-Wahrheit-Beispiel.
Es gibt aber auch noch andere Situationen, in denen es besser ist, nicht die Wahrheit zu sagen.
Mutter ist krank, schwerkrank. Keiner weiß, ob sie diese Krankheit überleben wird. Was sagst du nun dem Kind? Die Wahrheit? Das seine Mutter wahrscheinlich elendig verrecken wird? Das sie von Schmerzen und Ängsten geplagt ist? Oder spielst du es ZUM WOHLE DES KINDES runter? Ist es in diesem Fall verwerflich zu lügen? Sollte es eine Hölle geben, würde ich dafür liebend gerne in diese kommen, weil ich das Kind belogen habe!!!!
Wahrheit gut und schön und auch wichtig. Aber sie ist auch eine gefährliche Waffe und kann Leben zerstören. Dieser Verantwortung sollte sich JEDER bewusst sein.


fränkisch verwirrt clubfan
Mir fällt zu dem Thema nur ein Stichwort ein: Diplomatie.