Keine Wahl?!

geschrieben von Frau Pfeffer on Mai 31, 2008

ch schaue ja seit gestern Berlin Alexanderplatz an. War ich gestern noch leicht entsetzt über die Länge dieser DVD-Edition, bin ich heute froh, dass ich mich nicht davon habe abschrecken lassen. Selten hat mich ein Film so berührt. Das liegt sicherlich einserseits an der Regie von Rainer Werner Fassbinder, dessen Filme meistens in mir etwas ansprechen, was ich sonst gut verbergen kann, andererseits auch an den hervorragenden Schauspielern. Allen voran natürlich Günter Lamprecht in der Rolle des Franz Biberkopf. Aber vor allem an der Geschichte selber. Das Faszinierende für mich ist, dass Alfred Döblin diesen Roman 1929 schrieb. Dass die Menschen damals die gleichen Gedanken, Ängste und Hoffnungen wie wir heute hatten. Heute sah ich eine Szene, die mich seitdem nicht mehr los lässt. Da war dieser Biberkopf auf einer Arbeiter-Versammlung deren Thema Ausbeutung durch den Kapitalismus war. Und er stellte hinterher fest, was für ein Paradoxon es doch ist, einerseits gegen den Kapitalismus angehen zu wollen, andererseits aber diesen durch die Arbeit, die man für diese Firmen leistet und dadurch ernährt wird, letztendlich zu fördern. Als ich dies hörte, schoss mir sofort das Wort “Verrückt” in den Kopf. Und doch ist es wahr. Leider. Wir sind gefangen, weil wir überleben müssen. Wir haben doch gar keine Wahl. Bisserl das Maul aufmachen, aber ansonsten weitertrotten. Vor allem wenn du Kinder hast. Als ich daraufhin einem Freund dies erzählte, sagte er folgendes: “Wer funktioniert kommt durch und steigt gar auf - Wer sich erhebt wird eingekürzt oder ganz geerntet” Das ist bitter, aber schmerzhafte Realität. Aber, auch wenn es nichts bringt. Ich habe immer noch Hoffnung in mir.

Kommentare

Kommentar schreiben

Ja, ich möchte bei Kommentaren benachrichtigt werden!